Ein Madhab ist eine Rechtsschule: eine über Jahrhunderte ausgearbeitete Methode, wie man aus Quran und Sunnah konkrete Antworten gewinnt. Sie ist keine eigene Religion und keine Sekte. Alle vier sunnitischen Schulen stützen sich auf dieselben Quellen und stimmen in den Grundlagen überein – Gott, Prophet, Gebet, Fasten, Zakat, Hadsch.
Unterschiede gibt es in Einzelheiten: wo die Hände im Gebet liegen, was die Waschung ungültig macht, wie laut man Amin sagt. Für den Alltag ist das selten entscheidend – für ein ruhiges Gewissen aber praktisch, weil du nicht bei jeder Frage neu bei null anfängst.
Hanafi
Nach Abu Hanifa (gest. 767 in Bagdad). Am weitesten verbreitet – Türkei, Balkan, Zentralasien, Südasien. In der Schweiz die häufigste Schule, weil viele Gemeinden türkische oder balkanische Wurzeln haben.
Maliki
Nach Malik ibn Anas (gest. 795 in Medina). Verbreitet in Nord- und Westafrika. Berücksichtigt zusätzlich die Praxis der Menschen von Medina als Beleg.
Schafi‘i
Nach Muhammad ibn Idris asch-Schafi‘i (gest. 820 in Ägypten). Verbreitet in Ostafrika, Südostasien, Teilen Ägyptens und bei vielen Kurden. Er hat als Erster die Methodenlehre systematisch aufgeschrieben.
Hanbali
Nach Ahmad ibn Hanbal (gest. 855 in Bagdad). Verbreitet auf der Arabischen Halbinsel. Hält sich besonders eng an den Wortlaut der Überlieferungen.
Wie du damit umgehst
Als Anfänger: Folge dem, was in deiner Moschee üblich ist. Das ist der einfachste Weg, weil du dort fragen kannst und alle dasselbe machen.
Nicht Rosinen picken. Sich bei jeder Frage die bequemste Meinung aus einer anderen Schule herauszusuchen, gilt als problematisch – das Ziel ist Aufrichtigkeit, nicht der leichteste Weg.
Nicht streiten. Wenn jemand die Hände anders hält als du: Beide haben eine Begründung von Gelehrten. Darüber zu streiten hat noch niemanden näher zu Allah gebracht.
Und wenn ich keinem folgen will?
Manche folgen keiner Schule strikt, sondern nehmen in jeder Frage die Position mit der aus ihrer Sicht stärksten Beweislage aus Quran und Sunnah. Auch das ist unter Muslimen verbreitet und wird von Gelehrten vertreten.
Wichtig ist in beiden Fällen: Du triffst diese Entscheidungen nicht allein aus dem Internet. Sprich mit jemandem, der sich auskennt – zum Beispiel über unsere Frage-Funktion.